Unternehmen sperren Wikileaks – und die Kunden drehen durch

Heute war es dann also soweit: Julian Assange wurde von Scotland Yard verhaftet, befindet sich nun in einer Londoner Polizeistation. Schon Tage zuvor wurde man regelrecht mit Meldungen rund um Wikileaks zugedröhnt – teils interessant, teils total langweilig. Interessant war aber das Verhalten von einigen Leuten aus meiner Twitter-Timeline und generell die Kommentare zu den letzten Aktionen einiger Firmen wie Paypal, Mastercard oder Finanzinstituten und Webhostern – das hat mich zum Nachdenken angeregt und ging dann in ein Schmunzeln über…

Zugegeben, ich finde die ganze Wikileaks-Sache nicht nur spannenend, sondern auch richtig. Ich bin Befürworter der Wikileaks-Aktionen, hatte gehofft, dass der Assange noch länger in Freiheit bleiben dürfe (wobei ich glaube, dass diese Vergewaltigungssache eine US-Regierungsgeschichte ist, um Assange aus dem Verkehr zu ziehen).

Mittlerweile witzig finde ich den Aktionismus einiger meiner Follower bei Twitter und auch einiger anderer Twitterer und Blogger, die mir in den letzten Tagen über den Weg gelaufen sind. Da liest man von „Ich kündige mein Paypal-Konto“ oder „Mastercard? Brauche ich nicht mehr!“ bis hin zu „Die von Hetzner lassen es nicht zu, dass Wikileaks gespiegelt wird? Ich habe dort gekündigt!“

NA UND?

Das wird absolut 0 Auswirkung haben. Ich bin zufrieden mit Paypal, habe eine Mastercard, nutze Hetzner zwar nicht (Server bei Strato, würde da aber auch bleiben wenn Strato Wikileaks nicht erlaubt) und werde trotzdem mal Urlaub in der Schweiz machen – auch wenn die ablehnende Haltung von Firmen Wikileaks gegenüber ärgerlich ist: Es sind Unternehmen, die ein wenig mehr riskieren wenn es nachher tatsächlich so ist, dass Wikileaks Daten hostet, die rechtlich gesehen (vom moralischen Anspruch her mal abgesehen) nicht legal sind, öffentlich gezeigt zu werden. Nicht falsch verstehen, ich bin ja Befürworter (siehe oben), aber wenn es dann doch so weit kommt, dass Wikileaks als „kriminell“ eingestuft wird, so kann ich die Unternehmen verstehen, wenn sie hier vorsichtig sind. Immerhin sieht die ganze Welt zu.

Vielleicht nicht immer alles so „persönlich“ nehmen – die Unternehmen sichern sich so nur ab, was ihr gutes Recht ist. Dies mit Kündigung zu quittieren ist lächerlich und unnötig. Meine Meinung. So unterstützt man Wikileaks nicht, so bremst man sich nur selber aus, wenn man vorher und eigentlich noch immer mit dem Dienst/Service zufrieden ist.

6 Kommentare

  1. Ich denke, es gibt einen Unterschied darin, ob sich Unternehmen rechtlich und technisch absichern wollen (so bei Hetzner, vielleicht auch Amazon und everydns), oder ob eine Bank (PayPal) in vorauseilendem Gehorsam Konten von unliebsamen Kunden (die Wau-Holland-Stiftung) schließt, die in Verbindung mit scheinbar „illegalen Aktivitäten“ (offizielle Begründung von PayPal) stehen. Bei letzterem läuten bei mir die Alarmglocken und das Vertrauensverhältnis zur Bank ist dadurch beeinträchtigt. Und das ist meines Erachtens durchaus ein Grund.

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  2. das ist halt eine grundsätzliche Sache – es gibt Leute, die kündigen nun mal Ihr Konto z.B. bei der Deutschen Bank, weil die Minen und andere Hightec-Waffen finanzieren und wechseln zu einem ethischen Institut – genauso gibt es Leute, die wollen keine Unternehmen unterstützen, die sich gegen die Verbreitung von Informationen stemmen, welche der Öffentlichkeit vor Augen führt, welche ungeheure Lügen-Maschinerie aufrecht erhalten wird, um einen Krieg zu führen, der zu tausenden von unschuldigen Toten führt. Wikileaks zu unterstützen ist aktive Friedensarbeit – und Wikileaks zu behindern ist aktive Kriegs-Unterstützung – oder einfach nur Feigheit.

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  3. Da auch ich gestern VISA, PayPal, eBay und Amazon „aus voller Überzeugung“ gekündigt habe, möchte ich den Artikel auch nicht so dastehen lassen, dass jemand wie ich hier nur mal rum schmollt.

    Als freier Bürger einer rechtsstaatlichen Völkergemeinschaft ist es für mich unerträglich, dass die selbst ernannte Weltpolizei der Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit nun sogar schon vollkommen unverblümt gegen jegliche Prinzipien unserer Wertegemeinschaft und gegen jegliche Menschenrechtsvereinbarungen verstösst und dass sich beispielsweise die o.g. Unternehmen dieses extrem schädliche und gefährliche Verhalten unterstützen.

    Die Kündigung diesen Unternehmen gegenüber ist eines der wenigen legalen Mittel, die ich nutzen kann (neben meinen Spenden an die deutsche Wau Holland Stiftung für WikiLeaks).

    Es geht doch garnicht darum, ob man WikiLeaks Sympathisant ist oder ob jemand ein Assange Verehrer ist. Es geht darum, dass WikiLeaks offensichtlich gemacht hat, wie gefährlich die USA für unsere bisher frei geglaubte Gesellschaft ist und dass sie in dieser Affäre vollkommen durchdrehen und somit selbst beweisen, dass wir hier vorsichtiger denen gegenüber sein sollten. Es ist offensichtlich gefährlich, wenn wir uns immer mehr abhängig von solchen Machenschaften und entsprechenden amerikanischen Unternehmen machen.

    Solange es keine europäischen Kreditkarteninstitutionen gibt, werde ich auch keine Kreditkarte mehr nutzen, die im Zweifelsfalle von den amerikanischen Unternehmen gegen unsere Interessen missbraucht werden.

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  4. Hi Strichi,
    ich danke dir für deinen Kommentar.
    Ich habe selber auch meine Kreditkarte nun gekündigt, allerdings eher aus privaten Gründen (brauche sie nicht ;-)) und da hat es dann halt auch gut zum Thema gepasst.

    Paypal ist für mich halt interessant, da ich weiterhin eBay nutzen werde.
    Ich finde es aber auch eine Schweinerei, vor allem jetzt noch die letzte Bank-Aktion. „Wir sperren euch mal aus, weil ihr eventuell was gegen uns veröffentlichen wollt“ – der Hammer.

    Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickeln wird.

    Gruß
    Marc

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